Weltpremiere: capella A capella und Domsingschüler sangen gemeinsam
Öcher Hazz än Siel schwelgten beim Benefizkonzert zugunsten der Sammlung Crous in musikalischem Kunstgenuss. Immer wieder brandete begeisterter Applaus auf und am Ende des dreistündigen Konzertabends honorierten die Zuhörer im gut besuchten Krönungssaal des Rathauses die stimmliche und instrumentale Meisterschaft der Ausführenden. Souverän und informativ führte der Geschäftsführer der Sammlung Crous, Dr. Walter Maassen, als Moderator durch das Programm. „Sie erleben heute nicht nur einen schönen Abend, sondern unterstützen auch ein großartige Sache", wandte er sich an das gespannte Publikum.
Der Erlös des Benefizkonzerts trägt zur Finanzierung des Ankaufs von 4500 Aachener Ansichtskarten aus dem Zeitraum von 1890 bis 1940 bei. Diesen Aquensienschatz hatte der Aachener Privatsammler Klaus Wintgens im Lauf von 40 Jahren zusammengetragen. Vor seinem Tod äußerte er den Wunsch, diese stadthistorische Rarität als geschlossene Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch seine Witwe Karin Wintgens zählte am Samstagabend zu den Konzertbesuchern. „Diese umfassende Postkartensammlung ist eine optimale Ergänzung unseres Bestandes und alle hier Anwesenden tragen entscheidend zu ihrer Anschaffung bei", hatte der Beiratsvorsitzende der Sammlung Crous, Bernd Carl, bei der Begrüßung betont. „Ansichtskarten sind nicht nur flüchtige Massenware, sondern auch Zeugnis der Geschichte", hob OB Marcel Philipp als Schirmherr des Konzerts hervor. Und so helfe der Erwerb dieser Sammlung auch ein Stück Aachener Stadtgeschichte zu erhalten, erlebbar und verfügbar zu machen.
Mit der Motette: „Hoch tut euch auf, ihr Tore der Welt" von Christoph Willibald Gluck gaben die Viertklässler der Domsingschule den Auftakt, verstärkt durch Domsingknaben, die inzwischen weiterführende Schulen besuchen. Klangrein, melodiös und stimmgeschult brachten sie, ohne Noten oder Textvorlagen, anspruchsvolle Kirchenmusik zu Gehör. So, unter anderem das „Jubilate Deo" (Theodor Rehmann), „Ave Maria" (Franz Liszt) und das „Ave verum" (Edward Elgar). Zum Schwingen brachten sie das Öcher Hazz sodann mit dem von Heinz Peter Geulen komponierten: „Op dr Dom da sönd vür Öcher stolz" sowie dem frei nach Mozarts „Kleiner Nachtmusik" amüsant arrangierten: „Seht und hört von Aachen die Musik". Am Piano begleitete Veronika Bongartz.
Eine gelungene Premiere gab es, als sich unter der Leitung des Rektors der Domsingschule, Gerhard Dünnwald, die Knabenstimmen mit den Sängern von capella A capella vereinten. Zur Melodie eines irischen Volksliedes sangen sie gemeinsam den Text von Hein Engelhardt: „Mönster än Prente, heäße Quelle....". Später dankte capella- Sänger Martin Wüller: „Es war uns eine besondere Ehre nach 35 Jahren wieder einmal unter dem Dirigat unseres damaligen Lehrers Gerhard Dünnwald singen zu dürfen." Da aber hatten sie bereits 45 Minuten lang aus ihrem breiten Repertoire zwischen gregorianischem Gesang und Rockmusik geschöpft. Und das, in der ihnen eigenen humoristischen Art, bei der sie alle Nuancen stimmlicher Gags zum Einsatz brachten. So reichte ihre Palette von Robert Prachts „Morgenrot", über den „Wurmwalzer", den „Kleinen, grünen Kaktus" bis hin zum Atömchen-Klassiker „E jölde Hazz" sowie die „Alemannia-Hymne", in die das Publikum kräftig einstimmte.
Ein Wechselbad der Gefühle erlebte das Publikum bei dem mitreißend, phänomenalen Sound des sinfonischen Orchesters des Musikvereins Hahn, der vor wenigen Tagen sein Goldjubiläum beging. Unter der Leitung von Wim Brils eröffneten die 52 Musiker den konzertanten Teil mit der Fantasie für Blasorchester „Oregon" von Jakob de Haan, gefolgt von einer Ballade zum Träumen: „All I ask of you" aus Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper". Zu den Highlights zählten weiterhin Melodien aus dem Musical „The Lion King" sowie die brillant interpretierte spanische Fantasie von Alfred Reed: „El camino real". Die beliebtesten ABBA-Hits sowie das als Marsch gespielte Volkslied: „Es waren zwei Königskinder" rundeten den 90-minütigen konzertanten Part ab.
„Wenn wir unter den ABBA-Songs auch ‚The winner takes gold' gehört haben, so gilt das für uns alle an diesem Abend", wandte sich Dr. Maassen noch einmal an das Publikum. Das gelte sowohl für die Zuhörer, als auch für die Sammlung Crous, die „ein echtes Stück Aachen" sei.
Jutta Katsaitis-Schmitz
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