Vergnüglicher, prickelnder und lehrreicher kann kaum ein sprachwissenschaftlicher Vortrag sein, als der, der jetzt von Dr. Manfred Birmans zugunsten der Stadthistorischen Sammlung Crous gehalten wurde.
Gespannt, immer wieder in Heiterkeit ausbrechend und anhaltend applaudierend, lauschten die zahlreich erschienenen Zuhörer. So zahlreich, dass AKV-Präsident Dieter Bischoff von einem „Vereinsrekord“ sprach, und die 274 Besucher in das „erweiterte Vereinsheim“, den Ballsaal des Alten Kurhauses, umziehen mussten. Als „Nabelschnur“ zum eigentlichen Zuhause der Sammlung Crous aber diente der hell illuminierte Kronleuchter an der Decke, dessen Verbindungskabel zumindest in den eine Etage höher gelegenen Vorraum der Aquensien-Sammlung führte.
Bereits die Einleitung Manfred Birmans’ mit einer alten Aachener Weisheit traf die Öcher mitten ins Herz. „Weä Jooe ze sage mär jeliert, verdengt, dat heä weäd maltretiert“, zitierte er und meinte sich selbst, da er sich von Hubert Crott zu einem „kleinen Vortrag“ über das Platt hatte überreden lassen. Und seine wissenschaftsübergreifende, sprachwissenschaftliche Analyse aus der Sicht des Muttersprachlers hätte jedem Professor der Linguistik zur Ehre gereicht.
Selbst „Parallelen“ des Öcher Platts zu den unterschiedlichen „Dialekten“ von Primaten, speziell den Rotgesichtsmakaken, belegte Birmans, denn Dialekte seien durch die Umgebung, durch die Natur geprägt. Und allein sie bestimmten den Klang einer Sprache.
Der Hinweis auf die Behauptung Dr. Karl Allgaiers: „dr Öcher bruucht jeng Jrammatik“ fand im Publikum einhellige Zustimmung. Und in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 18. Juli 2005 fand der Dialektsprecher Birmans eine zusätzliche Genugtuung, als da stand: „Dialekt macht schlau“. Dialekt sei die optimale Voraussetzung für jegliches Lernen.
So setzte sich dann auch sein Vortrag voller Selbstbewusstsein fort über Diphtongierung, „Ripuarier“, Reflexe und Hilfsverben, um in der oben zitierten Weisheit zu enden, dass sich eine eigene Sprache aus der geografischen Lage entwickele. Geschickt verstand es der Redner, in die Beweisführung so bekannte Aachener Muttersprachler, wie Richard Wollgarten, Hein Janssen und Hans Kalz, selbst George Bernard Shaw und die Website der BBC mit einzubinden. Birmans Fazit: „Os Platt, veriehrde Dame än Heäre, es en rechtije Sproech. Et es jeä Huechdütsch. Mer e kitzje noeh dran“.
Was aber hat Öcher Platt mit dem „Ottokatalog“ und der Bibel zu tun? Die Aussprache und der Klang eines Dialekts seien für den Eleven ein schier unüberwindliches Hindernis zum Erlernen. Aus diesem Grund habe auch Otto Schily, neben Fingerabdruck und Iriserkennung, die Sprache, als ein weiteres Sicherheitselement in seinen „Katalog der biometrischen Daten“ aufnehmen wollen.
Und dass die Sprache schon so manchen entlarvt habe, dafür gäbe es bereits in der Bibel Beispiele. So erwähnt Matthäus die Schrecksekunde des Paulus, als Jesus gerade von den Schergen gefesselt wurde und plötzlich jemand auf ihn, den Galiläer, zeigte und sagte: „Wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Mundart verrät dich“.
Birmans schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Bitte halten Sie das Originelle unseres Öcher Platts in Ehren. Es macht uns aus. Es sind unsere biometrischen Daten“.
Jutta Katsaitis-Schmitz