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Rückblick

15.10.2007

Film- und Vortragsabend "Schicksalsjahre einer Stadt"

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Innerlich bewegt, ließen annähernd 400 Besucher im Ballsaal des Alten Kurhauses einen halbstündigen Dokumentarfilm „Schicksalsjahre einer Stadt" auf sich einwirken. Er zeigte einerseits die Zerstörungen Aachens durch Bombenhagel im zweiten Weltkrieg, andererseits aber auch das Durchhaltevermögen der Bevölkerung. Mit diesem Film wurde eine weitere Vortragsveranstaltung zugunsten der stadthistorischen Sammlung Crous des AKV eröffnet. Eingeladen hatten die Aachener Bank und die Sammlung selbst. Ihr Bestand umfasst 10 000 Bücher, Graphiken, Postkarten und Fotos aus dem Zeitraum 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Der Beiratsvorsitzende Bernd Carl nahm die Gelegenheit wahr, den neuen Kurator der Sammlung, Dr. Thomas Kreft, vorzustellen, der für die historische Betreuung und Erfassung der Bestände zuständig ist.

 

Zugleich erinnerte Carl in seinem Grußwort an die Zerstörungen, die Aachen bei 74 Luftangriffen erlitten hatte. „Nach dem zweiten Weltkrieg waren von ehemals 14000 Häusern 43 Prozent vollkommen zerstört und weitere 40 Prozent mehr oder weniger beschädigt", so der Vorsitzende. Von 68 Kirchen und Kapellen in Aachen wurden 25 vernichtet und 43 schwer beschädigt. Von den elf Toren des äußeren Mauergürtels existierten zu Kriegsende nur noch das Marschier- und das Ponttor, die ebenfalls stark angegriffen waren. Das erschütternde Ausmaß der Zerstörung Aachens wurde in dem Dokumentarfilm emotional und akribisch aufgezeigt. „Es ist ein Dokument zum Gedenken an die Opfer, aber auch zur Mahnung gegen den Krieg. Der Film sollte in jeder Schule gezeigt werden", sagte Carl unter dem Beifall der Gäste am Ende der Vorführung.

 

Als Zeitzeuge berichtete anschließend der 86-jährige Paul Pierotti über seine Evakuierung aus Aachen im Oktober 1944 und die Rückkehr Ende Mai 1945. Von Beruf Textilingenieur, ist Pierotti auch Romanautor ( u.a. „Bad Aachen - Stunde Null"), vor allem aber ein excellenter Erzähler mit hervorragender Rhetorik und nicht zu verleugnendem schauspielerischen Talent. Was am meisten überraschte, er ist Italiener, der in der Pontstraße geboren wurde und ein herrliches Öcher Platt spricht. Nicht zuletzt war sein Onkel der Geigenbauer Matschö Nießen aus der Schmiedstraße. Pierotti kennt sich aus in Aachens alt eingesessenen Familien und so ließ er seine Nachkriegserlebnisse bei Hamstern, Schwarzmarkt und Schmuggeln auch durch manchen bekannten Aachener Namen glaubhaft lebendig werden.

 

Er erinnerte daran, dass ein Pfund Butter damals 200 Mark kostete, dass er statt Rasierklingen ein Barbiermesser benutzen musste und deshalb wie ein „Kaktus" aussah. Auf einem aufgestöberten Klavier, dessen Tasten er mit Reiszwecken stabilisieren musste, klang unter seinen Händen Bach'sche Musik, wie auf einem Cembalo. Für einen Hochzeitsanzug konnte man auf Hamstertouren vier Zentner Kartoffeln erhalten. „Aus Trümmerbalken baute ich mir einen Handwebstuhl und webte darauf als erstes eine Kammgarnhose", berichtete Pierotti. Sein Fazit, wie die Aachener den Wiederaufbau erfolgreich meistern und das Chaos überleben konnten, überraschte und überzeugte zugleich: „Wir Öcher haben gallisches Temperament. In uns fließt Blut der Traker, der Römer und auch aus dem Orient. Bei uns ist alles drin. Darum sind wir so, wie wir sind". Die Zuhörer applaudierten begeistert.

 

Bevor Aachen in zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe in Trümmern versank, hatte 1942 der spätere Stadtkonservator Hans Königs noch einige unzerstörte Straßenzüge und historische Gebäude fotografieren können. 2007 beauftragte die Sammlung Crous den Bildjournalisten des Zeitungsverlages Aachen, Michael Jaspers, das heutige Stadtbild vom gleichen Standort aus und unter der gleichen Perspektive den historischen Fotografien gegenüberzustellen. Faszination lösten die Fotopaare bei einer Ausstellung in der Sparkasse Aachen im Juni dieses Jahres bei den Betrachtern aus. Sie stand unter dem Motto: unter dem Motto:

NACHgeschaut - Aachen 1942/2007"

Im November erscheint nun ein gleichnamiger Bildband in eleganter Hardcoverausstattung, der auf 200 großzügig gestalteten Seiten 80 Fotopaare zeigt. Vorbestellungen zum Subkriptionspreis von 16.90 Euro unter Fax: 0241-88690 oder per E-Mail: Interessenten, die sich für einen Kauf von mindestens 50 Exemplaren entscheiden, werden im Buch namentlich als Sponsor benannt.

 

Jutta Katsaitis-Schmitz
 

Aachen Geschichte - Eine gemeinnützige GmbH innerhalb des AKV