Vor 200 Jahren erblickte der Philosoph, Diplomat, Historiker und Literaturwissenschaftler Alfred von Reumont in Aachen das Licht der Welt. Er gilt als bedeutender kultureller und diplomatischer Mittler seiner Zeit zwischen Deutschland und Italien. 1879 gründete von Reumont den Aachener Geschichtsverein und wurde 1883 zum dritten Ehrenbürger Aachens ernannt, eine Auszeichnung die ihm zuvor bereits auch Florenz und Rom verliehen hatten. Im Rahmen der Vortragsveranstaltungen der Sammlung Crous gGmbH referierte jetzt Dr.des. Frank Pohle, an der RWTH wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Lehr- und Forschungsgebiet „Geschichte der Frühen Neuzeit“, über sein Lebenswerk.
Zum Vortragsabend eingeladen hatten der Beirat der Sammlung Crous gGmbH mit seinem Vorsitzenden Bernd Carl und das Sofitel „Quellenhof“, das durch Direktor Olaf Offers vertreten wurde. Unter den zahlreichen Gästen im Berlin-Saal des Sofitel „Quellenhof“ konnte der Geschäftsführer der Sammlung Crous gGmbH, Dr. Walter Maassen, auch Burghard A.W. von Reumont, als einen Urneffen des Aachener Ehrenbürgers begrüßen. Mit den Worten: „Wer keine Vergangenheit hat, hat auch keine Zukunft. Die Vergangenheit Aachens ist grandios“, leitete Maassen zum geschichtlich anspruchsvollen Vortrag über.
Alfred von Reumont sei ein äußerst produktiver Autor gewesen, hieß es. Er schrieb 150 Bücher zur italienischen Geschichte, Kunst und Kultur, darunter das dreibändige Werk zur Geschichte der Stadt Rom. 1500 Artikel verfasste er als Korrespondent der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ und hinterließ darüber hinaus Tausende von Briefen mit einer lebhaften Korrespondenz mit Persönlichkeiten seiner Zeit. Er war nicht unumstritten, wurde von seinen Neidern und Kontrahenten als „vielschreibender Seitenfüller“ betitelt und der „tönende Schall seiner Titel“ glossiert. Unbestritten aber blieben seine Tugenden: Fleiß, Geselligkeit und Disziplin. Er blieb unverheiratet, war aber „kein Kind von Traurigkeit“.
Bis heute sind seine Schriften wenig gesichtet und kaum bekannt. Seine Bibliothek mit einer berühmten Dante-Sammlung hatte Alfred von Reumont der Öffentlichen Bibliothek der Stadt Aachen vermacht. Als Sohn des Aachener Badearztes Gerhard von Reumont geboren, war er großbürgerlich aufgewachsen, trat nach seiner Promotion in die Dienste des preußischen Auswärtigen Amtes, brachte es bis zum Gesandtschaftssekretär in Florenz und Rom und war zuletzt Privatsekretär und Reisebegleiter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. in Italien. Als dessen Sohn Wilhelm I. den Thron bestieg, wurde er aus dem aktiven Dienst entfernt. 1868 kehrte von Reumont zunächst nach Bonn und zehn Jahre später nach Aachen zurück. Hier war er 1879 Mitbegründer und erster Präsident des Geschichtsvereins. Er starb am 27. April 1887. Die Reumontstraße erhielt 1894 ihren Namen. Für Dezember ist ein Kolloquium über sein kulturelles und diplomatisches Wirken in Vorbereitung.
Ein heiterer Diskussionsbeitrag aus den Reihen des Publikums spannte den Bogen zum 150-jährigen Jubiläum des AKV im Jahr 2009. So war 1881 ein Neffe des Aachener Ehrenbürgers der erste namentlich bekannte Prinz Karneval in Aachen: Arthur Boyd Reumont, genannt „Archie“. Sein Leben war kurz, aber illuster: in New York geboren, wurde er nach der Rückkehr der Familie nach Aachen mit 22 Jahren Prinz Karneval. Er wurde von seiner Frau betrogen und schoss seinem Nebenbuhler beim Duell mit Pistolen in die Schulter. Er selbst starb mit 40 Jahren in Kairo an Tuberkulose.
Jutta Katsaitis-Schmitz