400 Jahre Blondel … und was ist davon geblieben?

Im Rahmen der Vortragsreihe des Fördervereins AKV-Sammlung Crous referierte Kur- und Verkehrsdirektor Werner Schlösser. Von Jutta Katsaits Schmitz

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Wer befürchtet hatte, an diesem heißen Sommerabend des 9. Juli 2013 auch noch einem historisch-medizinischen Fachvortrag folgen zu müssen, wurde eines Besseren belehrt.Mehr noch, gebannt und oft auch zu einem Lächeln provoziert, lauschten die Zuhörer den Ausführungen von Kur- und Verkehrsdirektor Werner Schlösser. Wer, wenn nicht er, hätte als der „legitime Nachfolger dieses bedeutendsten Badearztes des 17. Jahrhunderts“, wie AKV-Ehrenpräsident Georg Helg den Vortragenden einmal bezeichnet hatte, so brillant diese anspruchsvolle Thematik behandeln können. Recht hatte also AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil, wenn er bei der Begrüßung auf „ein spannendes Thema“ einstimmte und die Gäste zugleich zu bürgerschaftlichem Engagement durch Mitgliedschaft im neu gegründeten Förderverein der AKV-Sammlung Crous anregte. So war auch der 1. Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Jürgen Linden anwesend.

Blondels Leben und Wirken als Badearzt

Souverän und unkompliziert, für Jedermann verständlich, führte Schlösser den Besuchern das Leben und Wirken des Dr. Franciscus Blondel vor Augen, der 1613, also vor vierhundert Jahren, in Lüttich geboren wurde. Nach abgeschlossenem Medizinstudium und anschließender Promotion in Nordfrankreich, praktizierte er zunächst in Malmedy und Spa, wurde Hofarzt des Kurfürsten von Trier, Christoph von Söterin. Nach dessen Tod im Jahr 1652 kam Blondel als Badearzt nach Aachen, das damals schon ein bekanntes Heilbad war, das von „vornehmen und angesehenen Persönlichkeiten“ zu Kuren besucht wurde. Er wirkte hier nicht nur als Badearzt, sondern befasste sich auch mit Trinkkuren, die er in Spa kennen gelernt hatte. Sie waren jedoch auch in Aachen bereits seit 1564 bekannt. Unterstützt von Blondel, wurden sie dann ab 1661 durch den Brunneninspektor und Aufseher der Thermalbäder, Jakob Didier verstärkt angewandt  Zwischen beiden gab es ständigen Streit und erst 1686 wurde Blondel zum gleichberechtigten Stellvertreter berufen. Am 9. Mai 1703 starb er dann im Alter von 90 Jahren.

Blondels Marketing für das Heilbad Aachen

Besondere Verdienste erwarb sich Blondel um Aachen durch seine Veröffentlichungen. So erschien 1662 zunächst noch in lateinischer, dann als dritte Auflage 1688 in deutscher Sprache sein Hauptwerk: „Außfuerliche Erklaerung und Augenscheinliche Wunderwirckung deren heylsamen Badt- und Trinckwaesseren zu Aach“. Durch die Übersetzung des Buches wurde es zu einer Werbeschrift für das Heilbad Aachen. 1999 gab die Kur- und Badegesellschaft mbH Bad Aachen anlässlich des Richtfestes der Carolus Thermen einen Nachdruck dieses historischen Werkes heraus. Einzelne Exemplare können noch in der Sammlung  Crous erworben werden. Aus Blondels Büchern sei zu erkennen, dass er „ein Arzt auf der Höhe der wissenschaftlichen Bildung seiner Zeit war“, so Schlösser. Seien Kurbäder vor Blondel Stätten des Lebensgenusses gewesen, so habe er zum Beispiel gefordert: „Im Bad darf weder viel geschwätzt oder gesungen, noch gegessen oder getrunken werden“.

Bis zu 400 000 Gäste jährlich in den Carolus Thermen

Die Bedeutung Blondels für Aachen lag darin, dass er als „treibende Kraft“ immer mehr Kurgäste nach Aachen zog, neue Behandlungen vorschlug, über Kurerfolge und Heilungen berichtete, die Trinkkur weiter verbreitete. „Was ist davon geblieben?“ fragte Schlösser. Die Quellen schütten noch immer riesige Mengen Mineral-Thermalwasser aus. Die Kaiserquelle versorgt den Trinkbrunnen am Elisenbrunnen, die Rosenquelle die Carolus-Thermen und drei Reha-Kliniken nutzen die Burtscheider Quellen. Aachen ist immer noch staatlich anerkanntes Heilbad – für eine Großstadt mit 250000 Einwohnern eine bemerkenswerte Auszeichnung. „Und in den Carolus Thermen kann man in zeitgemäßer Form in unserem Wasser baden. Weniger medizinisch, mehr so, wie es die Römer machten“, stellte der Kur- und Verkehrsdirektor zufrieden fest. 350000 bis 400000 Gäste seien es jährlich.

Anhaltender Beifall der Zuhörer war ihm sicher.

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