Neuerwerbungen für die Sammlung Crous

Kürzlich konnte die Sammlung Crous durch Auktions-Ankäufe um „interessante Aachener Historie“ bereichert werden. Ersteigert wurden neun sogenannte Porzellankarten (Lithographien), die als Werbung bzw. Visitenkarten von Aachener Firmen und Hotels um 1850 ausgegeben worden sind.

Bei den erworbenen Objekten handelt es sich um graphisch zum Teil außergewöhnlich kunstvoll gestaltete Bild-/Schriftkarten, von denen einige von renommierten Hotels mit zum Teil wohlklingenden Namen wie „Hotel zur kaiserlichen Krone“, „Hôtel du chemin de fer“ oder „Gasthof zum König von Spanien“ stammen. Eine Firmen-Werbekarte ist bezeichnet mit „Carl Leruth in Aachen. Obst-Punsch-Essenz. (Aux quatre Fruits). Destillation von J. Dumesnil.“ Links unten finden wir die Bezeichnung „Lith. v. S.s Mathieu. Pontstr. 900. Aachen“. Mittig ist das Firmengebäude abgebildet. Im freien Feld befindet sich die Original-Unterschrift des Firmeninhabers.

Eine der Hotelkarten nennt den Namen in drei Sprachen:
C. F. Dremel. Hôtel du Grand Monarque. Hôtel Dremel et grand Bain neuf.
Hôtel of the Grand Monarch. Dremel’s Hôtel and Grand New Bath.
Gasthof zum Grossen Monarchen. Dremel’s Gasthof und Neu-Bad.
AIX-LA-CHAPELLE.
Das Hotel lag an exponierter Stelle direkt am Büchel. Die Reihenfolge der in drei Sprachen angeführten Texte sowie die Nennung des Stadtnamens ausschließlich in französischer Sprache zeugen von der noch jungen Vergangenheit Aachens als „Bonne ville“ und Hauptstadt des Roer-Departements des französischen Kaiserreiches sowie von der Bedeutung der ausländischen Besucher und Badegäste für die Stadt.

Interessant an der Schreibweise des Textes in Englisch ist die Übernahme des französischen Accent circonflexe auf dem Buchstaben „o“ in den Wörtern „Hôtel“.

Am unteren Rand sind Werbebotschaften in Französisch angebracht, wie z. B.
„A l’arrivé de chaque convoi du chemin de fer on trouvera un élégant Omnibus, qui n’est destiné que pour conduire les voyageurs à l’Hôtel du grand Monarque.“ Als „eleganten Omnibus“ wird man in den Straßen der Stadt allerdings statt des heute bekannten roten „Öcher Long Wajong“ eher etwas kleiner geratene sogenannte Pferdebahnen gesehen haben.

Eine Werbekarte des „Veuve Dubick’s Grand Hotel. Rue Compesbad“ enthält auf der Rückseite eine Preisliste, in der unter anderem die „Prix-fixe“ für das „Dejeuner“ mit 1 Franc, das „Dejeuner à l’anglaise“ mit 1½ Francs, das „Chambre de garcon“ mit 1½ à 3 Francs und das „Appartement“ mit 5 à 20 Francs beziffert sind. Ein englisches Mittagsmahl entsprach demnach dem Preis eines einfachen Schlafzimmers.

Belege dieser Art werden selten angeboten und ergänzen den Bestand der Sammlung Crous in hervorragender Weise. Wer die Porzellankarten der Sammlung Crous im Original betrachten möchte, kann unter der Tel.-Nr. 0241 / 47 03 11 21 einen Besichtigungstermin vereinbaren.

21.09.2011
Heinz Kundolf

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