Vortragsabend zu Gunsten der AKV-Sammlung Crous am 6. September 2011

Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz sprach über die
„Historischen Beziehungen Aachens zur Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens nach dem Versailler Vertrag von 1920″
Lambertz – Crous Vortrag

Reich an Geschichte und excellent amüsant referierte der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Karl-Heinz Lambertz, über die historischen Beziehungen Aachens zu dem kleinsten Bundesland Belgiens, der Gebietskörperschaft Deutschsprachige Gemeinschaft. Von Mal zu Mal wächst das Interesse der Aachener an diesen Vortragsabenden zu Gunsten der AKV-Sammlung Crous. So waren auch diesmal wieder 230 Zuhörer erschienen und vielen hatte wegen Platzmangels im S-Forum der Sparkasse Aachen abgesagt werden müssen.

Der Geschäftsführer der Sammlung Crous, Dr. Walter Maassen, gab einleitend einen Einblick in die „facettenreiche, berufliche Laufbahn“ des Ministerpräsidenten, der Jurist ist und Dozent an der Universität Löwen (B). Seit 1990 war Lambertz Minister in der Deutschprachigen Gemeinschaft und wurde 1999 deren Ministerpräsident sowie im Juni 2011 Vorsitzender der SPE-Fraktion im Ausschuss der Regionen. Kurz führte Dr. Maassen auch in das Thema des Vortragsabends ein. Die deutschsprachigen Gebiete Eupen, Malmedy und St. Vith, die seit 1815 zu Preußen gehörten, wurden ab 1920 durch den Versailler Vertrag der belgischen Verwaltung unterstellt und 1925 in den belgischen Staatsverband eingegliedert. Dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Mai 1940 folgte die Angliederung an das deutsche Reich. Nach der Befreiung im September 1944 gab es dort keine pro-deutsche Bewegung mehr. 1956 unterschrieben das Königreich Belgien und die Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen über die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen.

„Lassen Sie uns bei der Entwicklung der Beziehungen zwischen Aachen und seinen belgischen Nachbarn durch die Brille der Geschichte in die Zukunft schauen“, wandte sich Ministerpräsident Lambertz an die Zuhörer. Mit 854 Quadratkilometern und 74500 Einwohnern ist die Deutschsprachige Gemeinschaft die kleinste Gebietskörperschaft Belgiens. Zu ihr gehören die neun Gemeinden: Kelmis, Lontzen, Raeren und Eupen im Norden und Bütgenbach, Büllingen, Amel, Burg-Reuland und St. Vith im Süden. „Wir müssen versuchen, mit der uns von der Geschichte gegebenen Größe klar zu kommen. Klein zu sein gehört zum Schicksal der Deutschsprachigen Gemeinschaft“, fasste der Redner zusammen.

Autonom zu sein, erfordere zu kooperieren. Durch den Abbau von Grenzen im vereinten Europa werde auch die Mobilität größer. Eine weitere Herausforderung sei es, integrierte Verflechtungsräume zu schaffen, wie beispielsweise die bereits existierende gemeinsame Ausbildung von Gesellen des Metzger- und Bäckerhandwerks zwischen Aachen und Eupen. Ein gemeinsames Rundfunkwesen, grenzüberschreitende Kulturparks und die Zusammenarbeit von Vereinen zwischen Aachen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft böten weitere Möglichkeiten. Die Kulturinitiative KuKuK in Köpfchen zum Beispiel „habe Seele, habe Charakter“ und auch das grenzüberschreitende Carnevals College zur Ausbildung von Büttenrednern sei „eine tolle Geschichte“. Der Redner würzte die Zeitreise durch zwei Jahrhunderte mit Humor und durch Schilderung persönlicher Einzelschicksale. Mit lang anhaltendem Beifall zeigten die Zuhörer am Ende des Vortrags ihre Begeisterung.

Von Jutta Katsaitis-Schmitz

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